7: Diener, Deradikalisierung, Durchatmen

Hallo liebe Ennoyers,

heute quatsche ich ohne Sinn und Verstand über Corona und Arbeitnehmerrechte. Darauf folgt ein Interview mit dem Psychologen Ahmad Mansour. Er arbeitet seit vielen Jahren als Deradikalisierungs- und Extremismusexperte. Im Interview berichtet von seinen aktuellen Projekten, die unter anderem in Schulen und Justizvollzugsanstalten stattfinden. Eine schöne Ablenkung an sonnigen Märztagen.

Die Musik nach dem Intro ist mit nettem Einverständnis der Jungs von GuitVid aus diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=HzHJub64dBc

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Corona und Lohnarbeit

In der FreiePresse habe ich über eine YouGov-Umfrage gelesen, laut der „88 Prozent der Befragten […] mit dem Maßnahmenkatalog einverstanden“ sind. Gemeint sind die Maßnahmen, auf die sich Bund und Länder am 22. März geeinigt haben. Im Podcast erzähle ich, warum mich so große Mehrheiten irritieren.

Ein etwas längerer Block beschäftigt sich dann mit den Maßnahmen, die die Bundesländer, im Beispiel Bayern für den Arbeitsalltag geschaffen haben. Aussetzung der normalen Arbeitszeit und Pausenzeiten, Kurzarbeit und so weiter. Inspiriert hat mich dazu der Artikel „Spargelstechen statt Lohnfortzahlung“ von Stefal Dietl in der jungle.world 2020/12. Getrieben bin ich dabei von der Frage, warum so viele Maßnahmen unser Privatleben und nicht unseren Arbeitsalltag einschränken. Denn staatlich verordnet wurde das Homeoffice bisher nicht. Ihr seid hier von der Gnade und Einsicht eures Arbeitsgebers abhängig, solange es kein gesundheitliches Risiko, sprich eine Erkrankung im Büro gibt.

Nützliche Informationen über die Rechte von Arbeitnehmern in dieser Corona-Krise hat der Deutsche Gewerkschaftsbund hier gesammelt.

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Das zweite Thema, das ich anspreche, sind die aktuellen staatlichen Rettungsmaßnahmen. Es wundert mich, dass diese zum größeren Teil den Arbeitgeber entlasten. Klar, der muss schließlich die Löhne zahlen, aber wieso muss man sich als Arbeitnehmer von einem nicht zahlungsfähigen Arbeitgeber abhängig machen? Meiner Meinung nach sind wir jetzt an einem guten Punkt, über die in Deutschland krasse Abhängigkeit vom Arbeitgeber nachzudenken. Mein Wunsch wäre ein individuelleres Arbeitsrecht, bei dem Arbeitgeber und -nehmer sich ihren Alltag unabhängig und sicher gestalten können. Ich führe diesen Punkt im Podcast weiter aus und würde mich freuen, mich euch darüber zu diskutieren.

Debatte: Wie soll unsere Arbeit in Zukunft aussehen? Ist es sinnvoll, in diesen Zeiten Unternehmen zu retten oder sollen wir nicht lieber Arbeitnehmer retten und somit die individuelle Freiheit vor der Freiheit des Unternehmers stellen? Ich hätte nichts dagegen, wie ihr im Podcast hören könnt. Was ist eure Meinung? Schickt mir eure Beitrage auf den sozialen Medien – @ennoyingpodcast – oder an hallo@ennoying.de per Mail.

Interview: Ahmad Mansour

Der gebürtige Israeli spricht mit mir über seine Vergangenheit und seine aktuelle Organisation MIND prevention. Als Jugendlicher geriet Mansour in salafistische Kreise, von denen er sich durch die Kontakte und Erlebnisse seines Studiums lösen könnte. Ein Anschlag im Jahre 2004 motivierte ihn, nach Deutschland zu ziehen. Hier schloss er sein Diplomstudium der klinischen Psychologie ab. Seitdem arbeitete der Extremismusexperte im Bereich der Deradikalisierung und anderer sozialpsychologischer Problemfelder. Zu seinen Themengebieten gehört die Radikalisierung unter muslimischen Jugendlichen, Antisemitismus in der muslimischen Communty, Unterdrückung im Namen der Ehre und Rechtsextremismus. Das Projekt „ReStart“ beispielsweise richtet sich an Insassen der bayerischen Justizvollzugsanstalten und soll religösem Radikalismus präventiv begegnen.

Ahmad Mansour. (Foto: Heike Steinweg)

Mansour spricht mit mir auch über seinen Artikel „Der Kampf gegen Extremisten braucht Demokraten„, der am 4. März, kurz nach dem Anschlag in Hanau veröffentlicht wurde. Mansour kritisiert hier die Partner, mit denen die Bundesregierung gegen Rassismus und für Integration arbeiten möchte. DITIB und der Zentral der Muslime seien Gruppen, die „ausgrenzend, abwertend und teilweise demokratiefeindlich agieren.“

Ciao

Das war es meine lieben Menschen. Lasst euch von der Quarantäne nicht wild machen und folgt mir auf den sozialen Medien. Der Name ist: ennoyingpodcast, wo immer ihr auch klickt.

Liebe Grüße, Enno.

2: Grüße, Gewalt, Games

Hallo ihr Lieben,

herzlich willkommen zur zweiten Folge von Ennoying. Heute gibt es drei wunderschöne Themen:

  1. Eure Rückmeldungen zur Thüringen-Krise / FDP
  2. Hanau und der deutsche Rassismus
  3. Videospiele und Gewalt / Interview mit Marek Brunner (USK)

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1. Thüringen-Krise / FDP

Völlig zu Recht wurde von euch kritisiert, dass ich die rechten Aspekte der Ideologie der FDP nicht umfassend eingeordnet habe. Dafür wurde mir unter anderem der Standpunkt vom freien Journalisten Ralf Hutter zugeschickt, den er für Deutschlandfunk Kultur im Politischen Feuilleton verfasst und vertont hat. Lesen und hören könnt ihr ihn hier bei Deutschlandfunk.

2. Hanau und der deutsche Rassismus

Ich spreche über den Anschlag von Hanau und warum eine mögliche psychische Erkrankung des Täters kein Grund dafür ist, rechte Theorien und Verschwörungstheorien nicht als heftig motivierendes Element dieser Art von Gewalt zu sehen. Den Gedanken angeregt hat der Artikel „Auch Wahn ist kulturell geprägt“ von Robert von Cube, veröffentlicht auf dem Blog Ruhrbarone.

Wer sich ein bisschen mehr über die tiefe Struktur und Geschichte des Rassismus in der BRD beschäftigen möchte, dem empfehle ich ein Stück vom Kolumnisten und Diplom-Theologen Stephan Anpalagan, das er auf Krautreporter veröffentlicht hat. Darin geht es darum, wie die CDU  „seit Jahrzehnten Rechtsextremen den Boden bereitet und mit ihnen paktiert“ und welche rassistischen Narrative diese Volkspartei seit vielen vielen Jahren verbreitet. Der Artikel heißt “Hanau, Thüringen, Halle und die Verantwortung der CDU” und man kann ihn hier lesen.

3. Videospiele und Gewalt / Im Interview: Marek Brunner

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Das letzte Thema ist ein wenig bunter, aber ebenfalls sehr relevant. Es geht darum, was das Spielen von Videospielen mit Gewaltinhalt mit uns macht und ob das Spielen an sich überhaupt ethisch korrekt ist. Dazu habe ich meine innerliche Unsicherheit dargelegt sowie mit Marek Brunner von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) gesprochen. Das Gespräch war sehr nett und für weitere Infos in Sachen Jugendschutz ist die Seite der USK ganz wunderbar nützlich.

Disclaimer: Ich habe bis 2016 als Sichter für die USK gearbeitet.

Hier findet ihr die Statistiken der USK von 2019 und die folgende Grafik zeigt die meistgespielten Spiele auf Steam in der letzten Woche:

In den Top-10 vor allem: Kampf und Krieg. Mal mehr, mal weniger realistisch dargestellt. (Valve)

Ciao

Das war es für diese Woche. Ich danke für das tolle und konstruktive Feedback, das ihr mir mitgeteilt habt und ich freue mich auf die kommenden Folge. Wie immer: wenn euch was stört, sagt es mir! Wenn ihr ein Thema habt: sagt es mir! Wenn ihr wissen wollt, was der beste Pizzabelag ist: Salami!

Es ist mein Ziel, eure Meinungen und Ideen stattfinden zu lassen. Bis nächste Woche!

Liebe Grüße, Enno

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